«I Swear: Verflucht normal» 

«I Swear: Verflucht normal» 

«Fuck the Queen.» Der Film «I Swear» (deutscher Titel «Verflucht normal») beginnt mit einem Paukenschlag. Und damit eigentlich mit dem Ende der Geschichte, als der Schotte John Davidson 2019 von der britischen Königin eine wichtige Auszeichnung entgegennehmen darf. Der Protagonist, dessen wahre Geschichte im Film erzählt wird, ist hierzulande kaum bekannt, in Grossbritannien kennt man ihn jedoch als Aktivist und Kampagnenführer für das Tourette-Syndrom. Seit seiner frühen Pubertät leidet John Davidson unter Tics, ausgeprägten Zwangsstörungen und unkontrollierten, meist vulgären Wortäusserungen. Er wächst in einer Zeit auf, in der wenig bis gar nichts über das Tourette-Syndrom bekannt ist. Wegen seiner Symptome gerät John Davidson immer wieder in schwierige Situationen, hat Probleme mit der Polizei und macht keinen Schulabschluss. Die Beziehung zu seiner Familie ist kompliziert. Die Wendung in seinem Leben kommt, als er Dotty kennenlernt. Sie nimmt den jungen Mann in ihrer Familie auf und macht ihn mit Tommy bekannt, durch den John Davidson nicht nur einen Job, sondern auch Halt findet. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. Es lohnt sich, darauf zu warten, bis der Film in einer deutschen Fassung in die Kinos kommt.

Im biografischen Spielfilm wird John Davidson hervorragend gespielt von Robert Aramayo. «Verflucht normal» ist ein lehrreicher und berührender Film über eine schwere Krankheit. Er nimmt das Thema und das Schicksal Davidsons ernst, lässt aber dennoch Raum für Schmunzler. Wer nicht bis zum Kinostart warten möchte, dem oder der sei die BBC-Dokumention «John’s Not Mad» aus dem Jahr 1988 empfohlen, die auf Youtube zu finden ist.

In den UK empfohlen ab15 Jahren. Ab Ende Mai/Anfang Juni in Deutschschweizer Kinos zu sehen.

«Eddie the Eagle – Alles ist möglich» 

«Eddie the Eagle – Alles ist möglich» 

Es ist 1988 an den Olympischen Winterspielen in Calgary. Michael Edwards – genannt Eddie – steht auf der 90-Meter-Schanze. Bereit zum Sprung. Es ist für ihn das erste Mal aus dieser Höhe. Die Gedanken kreisen in seinem Kopf. «Du bist kein Sportler.» «Du wirst es nie an Olympia schaffen.» Das hat sein Vater ihm in jungen Jahren immer wieder gesagt. Soll er wirklich springen? Eddie zieht seine Skibrille über die Brille mit den dicken Gläsern. Die Zuschauerinnen und Zuschauer halten den Atem an. Und ich verspreche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, Sie tun es auch. Schafft Eddie den Sprung? Das möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Nur so viel: Nach dem Sprung wird aus Eddie definitiv «Eddie the Eagle». Eddie der Adler. Mutig, stark, sinnbildlich. Alles ist möglich. Nichts ist unmöglich. Dabei sein ist alles. Das ist der olympische Gedanke. Und so basiert der Film «Eddie the Eagle» lose auf der wahren Geschichte von Michael Edwards, dem ersten britischen Skispringer bei Olympischen Winterspielen. Entstanden ist eine inspirierende Sportbiografie. Hervorragend besetzt mit Taron Egerton als Eddie Edwards und Hugh Jackman als seinem Trainer Bronson Peary. Von der Deutschen Film- und Medienbewertung wurde «Eddie the Eagle – Alles ist möglich» mit dem Prädikat «wertvoll» versehen. In der Begründung heisst es unter anderem: «Der Film propagiert die gängige Leistungsethik: immer das Beste geben, egal, ob man gewinnt. Letztlich zählt nicht der Sieg, sondern lediglich der Wille.»

Zu sehen auf Youtube und Apple TV. Ohne Altersbeschränkung.

«Stranger things»

«Stranger things»

Ja, liebe Leserinnen und Leser. Es ist passiert. Die Mystery-Serie «Stranger Things» ist exakt zu Beginn des neuen Jahres mit einem zweistündigen Finale zu Ende gegangen. Haben Sie es zeitnah geschafft, die Kultserie zu Ende zu schauen? Noch nicht ganz? Tun Sie es. Aber es ist gar nicht so einfach. Immerhin mussten wir von der Staffel 4 bis zur finalen Staffel 5 drei lange Jahre warten. Da gilt es, sich doch einiges in Erinnerung zu rufen. Lassen Sie mich dabei helfen. Für alle, die noch nie etwas von der Serie gehört oder gesehen haben: Grob zusammengefasst, geht es um die Kleinstadt Hawkins, Indiana. In den Achtzigern decken Jugendliche mysteriöse Ereignisse und eine geheime Forschungseinrichtung auf. Dabei stossen sie auf eine gefährliche Parallelwelt namens «Upside Down». Als der kleine Will (Noah Schnapp) eines Nachts plötzlich spurlos verschwindet, ist seine verschlafene Heimatstadt in Aufruhr. Für Wills Freunde Mike (Finn Wolfhard), Lucas (Caleb McLaughlin) und Dustin (Gaten Matarazzo) beginnt ein atemberaubendes Abenteuer. Dabei stossen sie schon bald auf das geheimnisvolle Mädchen Eleven (Millie Bobby Brown), das über aussergewöhnliche Kräfte zu verfügen scheint. Weiss Eleven mehr über Wills Verschwinden?

Die Serie hat Mitte Juli vor zehn Jahren begonnen. 2017, 2019 und 2022 folgten die Staffeln 2 bis 4. Und seit November 2025 läuft die finale Staffel 5. Und was haben wir dort zu erwarten? Stopp. Das wird hier natürlich nicht verraten. Nur so viel: Die Jugendlichen von Hawkins stehen vor ihrer bisher grössten Bedrohung. Und um diesen letzten Kampf zu gewinnen, müssen alle an einem Strang ziehen. Ich kann nur sagen: Viel Vergnügen!

 

Zu sehen auf Netflix. Freigegeben ab 16. 

«Kevin – Allein zu Haus»

«Kevin – Allein zu Haus»

Bald ist Weihnachten. Und ja, liebe Leserinnen und Leser. Ich tue es tatsächlich. Ich empfehle Ihnen «Kevin – Allein zu Haus». Und das, obwohl bestimmt fast alle Menschen diesen Film schon mindestens einmal gesehen haben. Aber eben. Nur fast. Ich kenne nämlich tatsächlich jemanden, der hat den Film noch nicht gesehen. Seit 1990 gehört die Komödie zu den kultigsten und zeitlosesten Weihnachtsfilmen. Die Familie McCallister reist über Weihnachten weg und vergisst ihren Sohn Kevin allein zu Hause in Chicago. Kevin muss nun sein Elternhaus gegen Einbrecher verteidigen. Auf «Kevin – Allein zu Haus» (1990) folgen «Kevin – Allein in New York» (1992), und noch vier weitere Teile. Kevin wird aber nur in den ersten beiden Teilen von Macaulay Culkin gespielt. Der heute 45-jährige Macaulay Culkin ist zehnjährig, als er Kevin im ersten Teil spielt. Und dazu gleich eine kleine Anekdote. Auch Macaulay Culkins drei- und vierjährige Söhne schauen den Weihnachtsklassiker gerne und oft. Aber sie erkennen ihren eigenen Vater auf der Leinwand nicht. Klar. Er war damals ja auch noch ein Kind. Auf die Handlung möchte ich nicht näher eingehen. Aber einige Funfacts zum Film müssen einfach noch sein:

1. Culkins Stuntdouble war ein erwachsener Mann.

2. Ein Tennisball wurde zum Co-Star.

3. Der Schnee war gar kein Schnee.

4. Der Film «Engel mit schmutzigen Seelen» existiert gar nicht.

5. Buzz’ Freundin ist eigentlich kein Mädchen.

6. Ein ikonischer Moment war improvisiert.

7. Kevin hatte Käsemakkaroni zum Abendessen – oder doch nicht?

8. Kevins Pizzabestellung hätte nicht möglich sein dürfen.

9. Die McCallister-Familie unternimmt einen unmöglichen Flug.

10. Kann Kevin die Zukunft voraussehen? (Quelle: www.blick.ch).

Egal ob Sie, liebe Leserinnen und Leser, den Film schon zum hundertsten Mal schauen oder zum ersten Mal entdecken. Ich wünsche viel Spass!

Zu sehen auf Disney+, freigegeben ab 12.

«Der Spitzname» 

«Der Spitzname» 

Haben Sie einen Spitznamen, liebe Leserinnen und Leser? Hand aufs Herz. Werden Sie Herzkäfer, Maus oder Schatz genannt? Auch im deutsch-österreichischen Spielfilm «Der Spitzname» geht es um Namen. Und um vieles mehr. Es ist so weit: Thomas und Anna wollen heiraten. Dafür findet sich die gesamte Familie in einem Mountain-Resort in Tirol ein. Stefan gibt den Besserwisser, wie immer, hat aber Probleme, weil er gecancelt wurde. Thomas hütet ein Geheimnis, Stefans Frau hat auch eines, und seine Kinder kommen mit eigenen Problemen daher. Antigone ist bis zur Schmerzgrenze woke und Kaius muss seinen Eltern etwas mitteilen, hat aber doch Angst, wie sie darauf reagieren. Wenn die Familien sich treffen, ist das Chaos vorprogrammiert. Wie immer. An dieser Stelle gleich ein Tipp: Schauen Sie zuerst die beiden vorangegangenen Filme «Der Vorname» (2018) und «Der Nachname» (2022). «Der Spitzname» (2024) ist nämlich der Schluss einer Trilogie. Es ist nicht zwingend, weil viele der Konflikte im Film in sich abgeschlossen sind. Aber es ist empfehlenswert, weil die Filme auf denselben Figuren und Familienkonstellationen aufbauen. Auch im letzten Teil ist Regisseur Sönke Wortmann eine köstliche Zeitgeistkomödie mit brillanten Dialogen gelungen. Das deutsche Ensemble mit Iris Berben, Christoph Maria Herbst, Janina Uhse und Florian David Fitz zeigt sich in bester Spiellaune. Intelligente Unterhaltung am Puls der Zeit. Für die ganze Familie.

Freigegeben ab 6, pädagogische Empfehlung ab 14. Zu sehen auf Netflix.

Die Truman Show

Die Truman Show

«Guten Morgen! Und falls wir uns heute nicht mehr sehen, guten Tag, guten Abend und gute Nacht!» Das wünscht der Versicherungsangestellte Truman Burbank im Film «Die Truman Show» jeden Tag aufs Neue den Menschen, denen er gerade begegnet. Ein wunderbarer, freundlicher und herzlicher Zeitgenosse. Gleichzeitig eine tragische Figur. Truman wird nämlich als Baby von einem Unternehmen adoptiert, das ihn seit seiner Geburt sein gesamtes Leben über per Liveübertragung im Fernsehen präsentiert.

Truman Burbank, hervorragend gespielt von Jim Carrey, lebt in einer Kleinstadt im Stile der 1950er-Jahre. Mit kontrollierbarem Wetter, künstlichem Sternenhimmel, Sonne und Mond. Und umgeben von Schauspielerinnen und Schauspielern, die vermeintlich seine Eltern, seine Frau und Bekannte von ihm sind. Dabei wird er täglich von über 5000 Kameras beobachtet. Und das 24 Stunden am Tag.

Erst nach über 29 Jahren wird Truman misstrauisch, als einer der Scheinwerfer, die an der Kuppel befestigt sind, um nachts die Sterne zu simulieren, herabfällt und neben ihm auf dem Boden aufschlägt. Und als Truman eines Tages in einem Obdachlosen auf der Strasse seinen Vater wiedererkennt, obwohl dieser in seiner Kindheit vermeintlich bei einem Bootsunfall ums Leben gekommen ist, wird er noch skeptischer. Jetzt versucht Truman nach und nach aus dieser künstlichen Welt auszubrechen. Mehr wird hier noch nicht verraten. Spannend und lustig. Tragisch und komisch. Etwas für die ganze Familie.

Ach ja, bevor ich es vergesse: Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser. Und falls wir uns heute nicht mehr sehen, guten Tag, guten Abend und gute Nacht!

Zu sehen auf Netflix, empfohlen ab 12.

«Jurassic World: Die Wiedergeburt»

«Jurassic World: Die Wiedergeburt»

Ja. Ich habe es getan. Ich habe «Jurassic World: Die Wiedergeburt» in 4DX im Kino gesehen. Und ich bin begeistert. Zwei Stunden ohne Pause Action, Spannung, rüttelnde Kinositze. Und vor allem – wunderbare Dinos. Im Wasser, auf dem Land, in der Luft. Ich liebe Dinosaurier, Regisseur Steven Spielberg und die wundervolle Filmmusik des hervorragenden Komponisten Alexandre Desplat. Und so habe ich – logisch – natürlich die gesamte Jurassic-Park-Saga geschaut. Sie ist in zwei grosse Abschnitte gegliedert: die Jurassic-Park-Trilogie und die darauf aufbauende Jurassic-World-Reihe, die inzwischen vier Filme umfasst. Inhaltlich bauen beide Reihen lose aufeinander auf. Eine kleine Auffrischung? «Jurassic Park» (1993), «Vergessene Welt: Jurassic Park» (1997), «Jurassic Park III» (2001), «Jurassic World» (2015), «Jurassic World: Das gefallene Königreich» (2018), «Jurassic World: Ein neues Zeitalter» (2022), «Jurassic World: Die Wiedergeburt» (2025). Zurück zum neusten Film. Die Handlung? Zora Bennett führt ein Team erfahrener Experten an den gefährlichsten Ort der Welt, eine Insel-Forschungseinrichtung im ursprünglichen Jurassic Park. Ihre Aufgabe ist es, genetisches Material von Dinosauriern zu sichern, deren DNA der Menschheit lebensrettende Vorteile bringen kann. Als die streng geheime Expedition immer riskanter wird, machen sie bald eine unheimliche, schockierende Entdeckung, die der Welt jahrzehntelang verborgen blieb. Mehr soll nicht verraten werden. Nur so viel noch: In den Hauptrollen brillieren Scarlett Johansson und Mahershala Ali. «Jurassic World: Die Wiedergeburt». Ein Muss für jeden Jurassic-Fan.

Freigegeben ab 12 Jahren. Zu sehen im Kino und auf Prime Video.

«Ginny & Georgia» 

«Ginny & Georgia» 

Es ist Liebe auf den ersten Blick. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint. Ginny Miller und Marcus Baker. «Virginia Miller, ich liebe dich heute, morgen und für immer», sagt er. Und Ginny erwidert die Gefühle. Ob das wohl so bleibt? «Ginny & Georgia». Die Serie mit drei Staffeln ist eine Mischung aus Drama, Komödie und Krimi. Gespickt mit viel Humor und Tiefgründigkeit. Und damit hervorragend geeignet für lgemütliche Sommer-Fernseh-Abende. Die unkonventionelle Mutter-Tochter-Beziehung zwischen der 30-jährigen Georgia Miller und der 15-jährigen Ginny Miller ist erfrischend und regt gleichzeitig zum Nachdenken an. Sie ist geprägt von Liebe und Vertrauen, aber auch von Geheimnissen und Lügen. Nach Jahren auf der Flucht zieht die Familie Miller in die beschauliche Stadt Wellsbury im malerischen Neuengland. Dort versucht Georgia, ein normales Leben zu führen und ihren Kindern Ginny und Austin eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Allerdings werden sie von Georgias dunkler Vergangenheit eingeholt und ihre Beziehung untereinander und die neu geschlossenen Freundschaften werden hart auf die Probe stellt. Immer mehr Dunkles kommt ans Tageslicht. Und dann tauchen plötzlich auch noch zwei verschiedene Väter auf. Die anfänglich zurückhaltende und unbeholfene Ginny verändert sich im Laufe der Zeit. Und sie hält zu ihrer draufgängerischen und dynamischen Mutter Georgia. Doch, wie wirkt sich das auf Ginnys Liebe zu Marcus und ihre Freundschaft zu dessen Zwillingsschwester Maxine aus? Das soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Unterhaltsam, spannend, fesselnd. Eine Serie mit Suchtpotenzial.

«Das Reservat»

«Das Reservat»

Die Handlung ist ebenso einfach wie schockierend – und kurz erklärt. Ruby, ein junges, philippinisches Au-Pair, verschwindet spurlos. Sie arbeitet bei einer vermeintlich perfekten Familie in Kopenhagen. Ihre Nachbarin Cecilie beginnt, Nachforschungen anzustellen. Dies aus einem schlechten Gewissen heraus, weil sie kürzlich Rubys Bitte um Hilfe abgelehnt hat. Unterstützt wird Cecilie von ihrem eigenen Au-Pair Angel. Auch sie ist Teil der philippinischen Community in der dänischen Oberschicht. Gemeinsam stossen sie auf ein Netz aus Vertuschung und Vorurteilen. Hinter den glänzenden Fassaden der Villen bröckelt es gewaltig. Es kommen Machtmissbrauch, Rassismus und die systematische Ausbeutung von Frauen zum Vorschein. Die Serie zeigt, wie stark Privilegien und soziale Ungerechtigkeit miteinander verwoben sind.

«Das Reservat» beginnt mit einer Vermisstenmeldung und endet mit einem System, das Täter schützt und Opfer vergisst. Die Au-Pair kommen nach Europa in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Stattdessen geraten sie oftmals in Abhängigkeitsverhältnisse, die sie schutzlos machen. Mehr noch. Sie werden, symbolisch gesehen, zu einem Selbstbedienungsladen. Die Serie thematisiert nicht nur die Ausbeutung, sondern auch die Ignoranz gegenüber diesem Leid. Eine eindrucksvolle Aufzeichnung, wie tief verwurzelt Rassismus und Sexismus in scheinbar fortschrittlichen Gesellschaften sein können. Ruby steht damit stellvertretend für Millionen von Frauen, die weltweit unter ähnlichen Bedingungen arbeiten und leben. «Das Reservat», ein Thriller, der auf Gesellschaftskritik stösst und dazu auffordert, die eigenen Vorurteile und Privilegien zu hinterfragen.

«Adolescence»  

«Adolescence»  

Hat Jamie Miller Katie Leonard wirklich ermordet? Ja. Das wird schon in der ersten Folge von «Adolescence» klar. Die britische Miniserie mit vier Folgen hinterlässt Spuren. Schock, Trauer, Fassungslosigkeit. Einmal mehr schauen wir in den Spiegel der Gesellschaft. Schonungslos, brutal, hilflos. Ein 13-Jähriger tötet eine 13-Jährige? Unfassbar. Aber wahr. Wobei, soviel vorneweg, die Miniserie basiert nicht auf einer wahren Begebenheit. Aber es ist ein Drehbuch, das inspiriert ist von Fällen, die ähnlich abgelaufen sind.

Das Leben der Familie Miller gerät aus den Fugen, als der 13-jährige Jamie wegen Mordes an seiner Mitschülerin Katie verhaftet wird. Die schweren Vorwürfe stellen alles infrage und zwingen die Eltern, sich ihrem schlimmsten Albtraum zu stellen. Jamie leugnet die Tat. Er sieht sich selbst nicht als Täter. Bei der Vernehmung schwankt er zwischen aggressiven Wutausbrüchen und Momenten der Unsicherheit. Trotzdem. Seine Schuld steht fest. Doch warum hat er es getan? Diese Frage bleibt bis zum Schluss offen. «Adolescence» beleuchtet dabei die komplexen Einflüsse, die auf den jungen Täter eingewirkt haben. So stossen die Ermittelnden auf die düsteren Ecken des Internets. Und dabei auf Begriffe wie «Manosphere» und «Incel». Begriffe aus einer in den USA entstandenen Internet-Subkultur heterosexueller Männer, die nach Eigenaussage unfreiwillig keinen Geschlechtsverkehr oder keine romantische Beziehung haben. Nach und nach kann sich dadurch ein Frauenhass entwickeln. Mobbing und der Druck, von Gleichaltrigen anerkannt zu werden, kann letztendlich stärker sein als alles andere.

Eddie und Manda Miller, Jamies Eltern, brechen zusammen. Haben Sie als Eltern versagt? War es ein Fehler, Jamie uneingeschränkten Zugang zum Internet zu gewähren? Wie konnte aus ihrem Sohn ein Mörder werden? Eine schwere Kost. Mit einer hervorragenden Kameraführung in Onetake-Technik. Einer einzigen langen Aufnahme von ein und derselben Kamera. Ohne Schnitt. Man ist mittendrin im Geschehen. Sehenswert.

Zu sehen auf Netflix. Freigegeben ab 12.