«Schlaf, Chindli, schlaf»
Seit mein Sohn auf der Welt ist, habe ich ihm jeden Abend eine Geschichte vorgelesen. Dabei geht es nicht nur ums Vorlesen, sondern um den gemeinsamen Abschluss des Tages. Auch heute noch lesen wir am Abend Geschichten – mal er und mal ich. Mit dem Älterwerden ist ein «Wie war dein Tag?» hinzugekommen, oder wie er es sagt: «Jetzt möchte ich noch etwas erzählen …» Nicht Geschichten, sondern vom Leben.
Ich habe meine Tochter unzählige Male auf einer Wolldecke durch die ganze Wohnung gezogen. Das fand sie urkomisch (sie selbst hatte übrigens die Idee!). Wir haben dann so allen Zimmern «Gute Nacht» gesagt – bis wir dann eben in ihrem Schlafzimmer anlangten. Lag sie im Bett, habe ich eine kleine Geschichte vorgelesen, dann das Licht gelöscht und Schlaflieder vorgesungen. Manchmal reichte ein Lied, manchmal wurden es zwei oder drei.
Als unsere Kinder ganz klein waren, war Stillen das Mass aller Dinge. Das hat eigentlich immer funktioniert, und wenn mal nicht, konnte man sie mit dem Tragetuch in den Schlaf tragen. Das Tolle daran ist, dass es auch bei Papa funktioniert. Wirklich ein Ritual eingeführt haben wir erst im Kleinkindalter. Pyjama anziehen, zusammen ein «Büachli» anschauen und dann ab ins Bett. Meistens musste sich dann ein Elternteil noch kurz neben das Kinderbett legen und, sobald das Kind eingeschlafen ist, wieder aus dem Zimmer schleichen.
Jeden Abend die gleiche Routine: Nach dem Abendessen Zähneputzen und ab ins Bett. Dort können unsere Kinder noch Hörbücher hören oder mit der Leselampe ein Buch anschauen. In der Regel schlafen sie dann ein, funktioniert mal gut und mal weniger gut.
Wir haben früher mit unserer Mama immer Engelskarten gezogen. Bevor wir eine zogen, mussten wir ins Bett. Auf den Karten standen immer schöne Affirmationen darauf. Es waren immer herzerwärmende Worte und so konnte ich mit einem guten Gedanken einschlafen.
Mein Einschlafritual mit unserer dreijährigen Tochter ist eine Mischung aus Verzweiflung und moderner Technik. Wenn nämlich zum gefühlt 87. Mal dasselbe Buch verlangt wird, greife ich zur KI. Ich lasse mir spontan eine Gutenachtgeschichte schreiben – Hauptfigur nach Wunsch des Kindes. Mal ein Drache, mal etwas völlig Abwegiges wie ein Buntstift (Wieso!). Das Ergebnis ist jedes Mal neu, überraschend und auch für mich unterhaltsam. Peppa Pig möge es mir verzeihen…
Unser Sohn ist knapp zwei Monate alt. Wirklich vorbereitet auf seinen Schlaf haben wir nicht. Aber es ist super eindrücklich zu sehen, wie ein kleiner Mensch funktioniert, der noch überhaupt keinen Schlafrhythmus hat. Gamechanger war für uns die App Nappr. Du erfasst einen Monat lang alle Schlaf- und Wachphasen (plus Windelwechsel, Stillen). Und dann berechnet dir ein Algorithmus mit beängstigender Genauigkeit, wann dein Baby schlafen will. So erwischen wir zuverlässig den «Sweet Spot» fürs Schlafengehen. Die Erkenntnis: Den natürlichen Rhythmus kann man nicht besiegen.
Einschlafrituale, die hatten wir mit unserem Sohn immer. Er (13) pflegt diese nach wie vor. Vom ersten Tag an haben wir ihm jeden Abend vorgelesen. Zwischen fünf Minuten bis zu einer Stunde. Er liest nach wie vor sehr, sehr viel. Und immer vor dem Einschlafen. Wie sind wir sonst mit dem Thema Schlaf umgegangen? Ab zwei Stunden vor der Bettzeit kein TV/kein Screen wie Telefon und so weiter sowie fixe Bettzeiten. Wenn er den Schlaf gar nicht fand, half nur etwas: Haarfön oder Staubsauger laufen lassen. War beides nicht vorhanden, mussten wir selber brummen wie ebendiese. Das klappte immer.
Unsere Kinder haben zum Glück nie grosse Probleme mit dem Einschlafen. Nach dem Abendessen gibt es bei uns nur noch ruhiges Spielen (Puzzle, Spiele und so weiter). Bevor es Richtung Bett geht, kuscheln wir noch einmal richtig fest und lesen eine Bilderbuchgeschichte vor. Ab und zu wird die Bilderbuchgeschichte durch Fernsehzeit ersetzt. Dann bringen wir die Kinder ins Bett, kuscheln sie ein, verabschieden uns mit einem Gute-Nacht-Kuss ins Traumland. Danach läuft die Toniebox mit sanften Schlafliedern (Bemerkung: Unsere grosse Tochter wird bald 9 Jahre alt und es laufen JEDEN Abend die gleichen Lieder. Ich könnte sie an ihrer Stelle nicht mehr hören!)