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Spinnweben sind Kunstwerke

Bernhard Petschen nimmt Kinder und Jugendliche mit in den Bündner Wald
Was für ein Wochenende! Ich durfte es mit meinen Grosseltern auf einem Bauernhof verbringen, der hoch in den Bergen liegt. Was es dort alles zu sehen gab: gackernde Hühner, Kühe, die gemütlich ihr Gras kauten, Pferde, die über die Wiese liefen, und Schweine, die sich im Schlamm wälzten. «Buah, warum machen die Schweine das?», fragte ich Opa. «Das machen nicht nur Schweine, sondern auch wilde Tiere wie der Hirsch», erklärte er.

Schweine suhlen im Schlamm …

Schweine und Hirsche suhlen sich im Schlamm, allerdings nicht ganz aus denselben Gründen. Das Hausschwein hat nur sehr wenige Schweissdrüsen und kann sich deshalb nicht gut durch Schwitzen abkühlen. Eine Schlammschicht wirkt wie eine natürliche Klimaanlage. Der nasse Schlamm kühlt den Körper, und beim Trocknen verdunstet das Wasser und entzieht ihm Wärme. Ausserdem schützt der Schlamm im Sommer vor Sonnenbrand und hält lästige Insekten und Parasiten fern.

… und der Hirsch auch

Auch der Hirsch wälzt sich im Schlamm. Bei ihm geht es jedoch oft zusätzlich um Kommunikation. Vor allem während der Paarungszeit im September und Oktober scharren Hirsche eine schlammige Mulde auf und wälzen sich darin. Dabei vermischen sie den Schlamm mit Urin und Duftstoffen aus ihren Drüsen. So hinterlassen sie ihren Geruch, markieren ihr Revier, signalisieren anderen Männchen ihre Anwesenheit und machen die Hirschkühe auf sich aufmerksam. Natürlich profitieren auch Hirsche von der Kühlung und dem Schutz vor Parasiten, doch die Duftmarkierung spielt besonders bei geschlechtsreifen Männchen eine wichtige Rolle. Was Opa nicht alles weiss!

«Hallo, du kleine Spinne!»

«Hallo, du kleine Spinne!»An diesem Wochenende war es richtig warm. Als ich mir in der Scheune ein schattiges Plätzchen suchte, bemerkte ich etwas Besonderes: Überall hingen Spinnweben! Manche waren gross wie Teller, andere klein und fein wie Spitzenstoff. In den Sonnenstrahlen glitzerten sie wie kleine Diamanten. Nun waren wieder meine Grosseltern gefragt. «Warum gibt

es hier so viele Spinnweben?» Opa lachte und meinte, dass die Spinnen fleissige Baumeister seien. Mit ihren Netzen fangen sie kleine Insekten. Hm, bei genauerem Hinsehen entdeckte ich eine besonders schöne Spinnwebe. In ihrer Mitte sass eine kleine Spinne. Vorsichtig winkte ich ihr zu: «Hallo, du kleine Spinne!» Ups, da bewegte sich die Spinne ein wenig, als würde sie zurückwinken. Ich musste richtig lachen.

Den ganzen Tag entdeckte ich neue Netze – am Stallfenster, zwischen zwei Balken und sogar im alten Apfelbaum. Jedes sah anders aus. Am Abend wurde mir klar, dass Spinnweben richtige kleine Kunstwerke sind, wenn man nur genau hinsieht und ihr Verhalten beobachtet. Am Abend lasen mir meine Grosseltern noch eine schöne Geschichte vor. Natürlich handelte sie von wilden Tieren, die im Wald leben und für uns Menschen nur selten zu sehen sind. An diesem Abend habe ich wieder etwas gelernt: Auf einem Bauernhof gibt es nicht nur grosse Tiere zu bestaunen, sondern auch viele kleine Wunder.

bis zum nächsten Mal, liebe Kinder!

Euer Mattis

Bild und Illustration: KI und Jacqueline Petschen