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Das Röhren der Hirsche

Bernhard Petschen nimmt Kinder und Jugendliche mit in den Bündner Wald

Hallo, liebe Kinder!

Letztes Mal konntet ihr lesen, wo ich mit Opa Wildtiere beobachtet habe. War das spannend und aufregend! Nun ist die Hochjagd bereits vorbei, und ich durfte mit meinen Eltern wieder mit aufs Maiensäss. Ich geniesse die Zeit mit meinen Eltern sehr und darf am Abend sogar etwas länger aufbleiben. Während des Tages hat Papa Holz gespalten. Mama, Enyo und ich haben das Holz danach in einer schönen Reihe aufgestellt. Hmm, Enyo, mein kleiner Bruder, hat nur mit dem Holz gespielt.

Am Abend sagte Papa zu mir: «Heute Nacht könnte es vielleicht etwas laut werden. Bei den Hirschen ist jetzt Paarungszeit, und die männlichen Hirsche sind dann ganz ausser sich.» Hm, ich verstand nicht so recht, was Papa damit meinte. Er erklärte mir, dass die Hirsche röhren. Das ist ein lautes Geräusch, mit dem sie den anderen Hirschen zeigen, wer der Stärkste ist. Na ja, röhren kann ich auch. Ist doch gar nicht so schlimm!

Röööööö, was ist das?

Als es dunkel wurde, war es Zeit, ins Bett zu gehen. Draussen war es ganz still. Ja, es war mucksmäuschenstill. Plötzlich hörte ich von Weitem ein lautes Röööööööööö! Ich bin erschrocken und schaute Papa an. Dann kam noch eins: RÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖ! Es war so laut, dass ich fast das Gefühl hatte, die Wände der Hütte würden wackeln! Papa musste lachen und meinte, dass das eben die Geräusche der Hirsche sind. Ich fand es aber überhaupt nicht lustig. Nun, da ich wusste, was dieses Röhren ist, stellte ich mir vor, wie irgendwo draussen im dunklen Wald ein riesiger Hirsch steht und ganz laut brüllt.

Brrrr … Schon wieder so ein Röhren! Diesmal war es noch näher. Rööööööööööööö! Und plötzlich röhrte es von allen Seiten. Papa meinte, dass da mehrere Hirsche um eine Hirschkuh kämpfen würden. Plötzlich hörte ich ein Knacken. Ich schaute aus dem Fenster und sah unterhalb der Hütte auf der Wiese mehrere riesige Hirsche, die miteinander kämpften. Zum Glück war Vollmond, und ich durfte dieses Spektakel eine ganze Weile beobachten.

Da war ich sehr froh, dass ich in der warmen Hütte war und nicht draussen im Wald. Das war richtig schauerlich! Ich kuschelte mich in meine Decke und hörte den Hirschen noch eine ganze Weile zu. Papa sagte, dass ich gerade etwas ganz Besonderes erleben würde. Und irgendwie hatte er recht. Auch wenn ich ein bisschen Angst hatte, war es ein Abenteuer, das ich bestimmt nicht so schnell vergessen werde. In dieser Nacht wusste ich: Im Wald ist es auch dann nicht ruhig, wenn man keine Menschen sieht. Manchmal sind die Tiere nämlich viel lauter als wir!

Und ich? Ich verkroch mich zwischen Papa, Mama und meinem lieben Brüderlein Enyo. Da bin ich richtig sicher.

Und jetzt … uahhhh, bin ich müde!

Gute Nacht, liebe Kinder!

Euer Mattis

Bild und Illustration KI und Jacqueline Petschen