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Mä sötti wackr trinkä

Diese Kolumne zeigt den Briefwechsel zweier Frauen. Ihre Dialekte könnten unterschiedlicher kaum sein: Prättigauer Dialekt trifft auf Domleschger-/Churerdeutsch.

Sali Lara

Hüt ischt ganz ä psundrs hübschä Morget. D Sunnä schiint ez scho rächt früä in d Schtubä und wägä miinä chönti dr Früälig cho. I suugä diä Gschmäckr und Düft ganz teuf ii. Wenn ds Tachtrauff geid und s äso va Härd schmeckt, de gschpürrt mä, dass schi da in dr Natur bald äppis rodt und ä huufä Läbä wartet uf äs chreftigs, farbigs Erwachä. Abr nu will i nümä sövl gärä Wintr ha, söllend di Blüämläni nottä no äbiz wartä mid fürchr gügglä, sus müänd sch drna dr Chopf lä lampä, wenn s noch ämal gä schniiä chund. Di Tulpä hend bis etz albig no äs Schneehüätli uf di Blüäscht übrcho.

So, so. Wiä i khöörä bischt du rächt fliissig und diini Arbet macht diär Freud. So söll s au sii. I han duäzmal mid mir chaufmennäschä Pruäfswaal absälut ds Rächtä für mi entschidä. I meechi s grad noch ämal preziis äso. As ä Meitjä han i zwar wellä Chrankäschweschtr wärdä. Där Gschmack im Schpital hani sövl gärä gschmeckt und wenn diä Diakonissänä mid dä kleertä* Hüübläni uf m Chopf dür diä lengä glenzägä Geng zibberlet sind, wer i gärä au so eini gsi. Leräri wer au no i Frag cho. Abr d Entscheidig für »Bürofrälein», wiä mä duäzmal gseit hed, ischt mee as nu guät uussrcho. Und äs ischt halt albig äso: We mä mid zwenzgi wussti, was mä mid sächzgi weiss, cheemi s äsiä vällicht andrscht uussr. Abr i bi bis etz zfriddä drmit, wiä mis Läbä vrloffä ischt.

Weischt, was miär uufgfallä ischt? Dass du no frii äbiz fluächä tuäscht. Odr für diini Generation hed das Wort «Huärä» warschiinli än andäri Bädüütig as für mi. Für mi ischt das gfluächät, abr für di is ättä wiä «megä» odr «cool». Säb gfallt mr äbä au ganz und gar nid. Miär hend doch sövl hübschi bäzeichnändi Wörtr für än Ding, dass mr diä au bruuchä söttend. Liäbi Lara, i will nid ättä chiibä mid dr. I muäss nuu zruggdenkä, wa miär ä aagsechni Frau ämal gseid hed, i söll nid sövl fluächä, das sii Sünd und schaad und passi nid zä miär. Das zeiget widr ämal, dass s früär in der Sach nid bessr odr andrscht gsi ischt as hüt.

Han vor, mid mim Maa gä Danusä gä Schneewandärä. I säg dr dött dobnä chascht äs Panoramä gnüssä, wa ma etz würkli sägä muäss: «Uuhuärä hübsch!» Hoffentli schiint de d Sunnä, sä cha mä au no sünnälä uf dr Terrassä. Ja, äs ändärät schi allr Gattig, we mä eltr chund. Früär simmr änand z Giit übr di Pischtä gfreeset und hüt gömr uf d Senioräwandärig! We mr äswannä uufwärts gönd, müämr schnuufä wiä äs Ross, d Sunnä blendet eim, will mr dr grau Schtar opäriärt hend, und bim Zmarend bschtell ä mr nu no ä halbi Porzioo. Am wenigschtä abgnuu hed ds Trinkvrmögä. Durscht hed mä albig und di eltärä Lüüt söttend ja sowiäso wackr trinkä. Äs ischt nisch au gär nid niätig, diä Empfälig z bäfolgä! I wünsch dr ganz ä fiini Ziit und i freuä mi uf dii nechscht Briäf.

*«Kleert» heisst: gestärkt, steif.

Di Füürbenägä übrchomend villä all Früälig eis uf ds Dach.

Über «Mid liäbnä Grüäz und LG» und die Autorinnen

Diese Kolumne zeigt den Briefwechsel zweier Frauen – eine hat gerade mit dem Studium begonnen, die andere ist im Ruhestand. Sie schreiben über Gott und die Welt und manchmal auch über das, was sie an der jeweils anderen Generation nicht so ganz verstehen. Sogar ihre Dialekte könnten unterschiedlicher kaum sein: Prättigauer Dialekt trifft auf Domleschger-/Churerdeutsch.

Margrith Ladner-Frei, geboren 1949, ist in Schiers-Schälleria aufgewachsen. Seit mehr als 50 Jahren lebt sie nun in Grüsch. Traditionen, alte Bräuche, Menschen und ihre Geschichten, Gesetze der Natur, die Schöpfung und ihre Kreaturen und besonders die Sprache der Walser interessieren die Schreiberin sehr. Sie hat schon einmal für die «Büwo» geschrieben und hat bereits viel Erfahrung gesammelt, was die Sprache und unsere Dialekte betreffen.

Lara Buchli, geboren im Jahr 2003, ist in Zizers aufgewachsen. Zur Zeit studiert sie an der ZHAW in Winterthur. Tiere, die Natur, Krimis und Horror findet sie super. Sie hat ihr Praktikum bei der «Büwo» absolviert und schreibt seit Jahren hobbymässig und konnte so bereits Erfahrung sammeln, was das Schreiben und die deutsche Sprache angeht.

Alle Beiträge der Kolumne
gibt es hier zum Nachlesen.