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Härz- und andr Chäfärä

Diese Kolumne zeigt den Briefwechsel zweier Frauen. Ihre Dialekte könnten unterschiedlicher kaum sein: Prättigauer Dialekt trifft auf Domleschger-/Churerdeutsch.

Sali liäbi Lara

So, ez bin i grad ä paar Tag z Schtäls (Stels) gsi. Höch übr m Prättigau, bim hübschtä Wättr. All Tag ds eimalägä Reetikonpanoramä für dä Augä! Das ischt uusägäli hübsch und da chascht ä so richtig d Seel lä bambälä. I han widr ämal erfaarä, wiä s ischt, we mä d Schuälbank trückt und mä mee odr wenigr folgä sötti. D Schriibwärchschtatt var Walsrvreinigig Graubündä ischt all Jaar für mi ä Höhäpunkt und än uusgschprochnä Chraftort. Da lärnend miär Dialektschriibrnä und -schriibr sövl Nüüsch und nutzend di Gglägäheit, ünsch mid allm uuszrüschtä, wa für ünschi Teggscht brünzlig wärtvoll ischt. Da he mr ärischthafti Teemä, abr au etlismal luschtägi und undrhaltsami Uufgabä. Däheimet de bim schriibä chö mr us m Vollnä schöpfä und ünschnä Hirngschpinntschti friiä Lauf laa. In dr frischä Bärgluft und dr warmä Sunnä sind bi ünsch Früäligsgfüül erwachet. D Vögäli erläblähend scho biziitä am Morget. Äs ischt wooltuänd, wenn sch pfiiflä mögend und dr Wintr langsam zemäpackt.

Wiä hes de du mid dä Tiäri? Bischt du ä Tiärlifründi? Hescht alli Viichli gärä? Freut s di au, wenn d Meisli und di ganz Voglpagaaschi widr zwitschäränd und ds maarflä* Gfleug us allnä Schpält fürcher chrüücht? Grundsätzli han i gar alli gärä, vam Härzchäfrli, Mischtguägä bis zär ghoornätä Chuä. Abr nu sä lang sch mi lä sii löönd. Also, wenn dr Pless vam Nachpuur mi in d Wadä biisst odr ä roti Ameisä mi aabrunzet, de hört s uf mid dr Liäbi. De muäss i driischlaa odr au ämal schperzä. I freegä mi äsiä au, wiäso as albig di Tiäri für äs was härhebbä müässend, und nä miär Menschä Züüg aalaschtend, wa schi gär nid sind und wa schi schi drgäget nid werrä chönnd. Tummä Aff, blödi Chuä odr arms Chalb seid mä no bald ämal. Das ischt nid grad gfluächät abr uuwörtig. Drbii sind diä Kreatuurä uf gär kei Fall blöd odr tumm. Wenn sch redä chönntend seitend sch zä ünsch gwüss au äsiä, diä uuvrschammtä Mentschä.

Ja, und värrückt hed s mi tunkt, wa sch Wärbig gmachet hend für dä Sirenätescht. Da hed ä Daniel-Düsätrieb-Maschinä bigoscht im Fernsee dm Schaf ä Singälä zäm Grind ggee und de ischt d Sirenä losgangä. I han dem Schaf uuheimli erbarmet und grad a miini Laurä tenkt. Das ischt miis Liäblingsschaf gsi zä Goofä-ziitä und das ischt de im Fall ä ganz ä Gschiidi gsi. Niä im Läbä hett i derä eis putzt und schi hetti bhaupt i au grad z Trotz nid plääret.

Etz bin i widr däheimet mid ä huufnä Ideeä im Chopf. I freuä mi etz scho uf di nüüä Gschichtä, wa mini frisch ggladdnä grauä Hirnizällä fabriziärend. I will de au di eint odr di andr äswemm fürläsä.

Tiärisch liäbi Grüäz schick dr etz us miir Schriibärii, ds Riissblii weer afä gschpitzts.

 

Härzli Margrith

 

*«maarfl» heisst: noch schlaftrunken, noch unbeweglich, klamm vor Kälte.

Weisses Alpenschaf

Über «Mid liäbnä Grüäz und LG» und die Autorinnen

Diese Kolumne zeigt den Briefwechsel zweier Frauen – eine hat gerade mit dem Studium begonnen, die andere ist im Ruhestand. Sie schreiben über Gott und die Welt und manchmal auch über das, was sie an der jeweils anderen Generation nicht so ganz verstehen. Sogar ihre Dialekte könnten unterschiedlicher kaum sein: Prättigauer Dialekt trifft auf Domleschger-/Churerdeutsch.

Margrith Ladner-Frei, geboren 1949, ist in Schiers-Schälleria aufgewachsen. Seit mehr als 50 Jahren lebt sie nun in Grüsch. Traditionen, alte Bräuche, Menschen und ihre Geschichten, Gesetze der Natur, die Schöpfung und ihre Kreaturen und besonders die Sprache der Walser interessieren die Schreiberin sehr. Sie hat schon einmal für die «Büwo» geschrieben und hat bereits viel Erfahrung gesammelt, was die Sprache und unsere Dialekte betreffen.

Lara Buchli, geboren im Jahr 2003, ist in Zizers aufgewachsen. Zur Zeit studiert sie an der ZHAW in Winterthur. Tiere, die Natur, Krimis und Horror findet sie super. Sie hat ihr Praktikum bei der «Büwo» absolviert und schreibt seit Jahren hobbymässig und konnte so bereits Erfahrung sammeln, was das Schreiben und die deutsche Sprache angeht.

Alle Beiträge der Kolumne
gibt es hier zum Nachlesen.