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«Frankenstein»

«Ich kann nicht sterben und ich kann nicht leben.» «Ich kann doch nicht vergessen, was ich noch nicht einmal weiss.» «Ich möchte wissen, wer ich bin.» Mögen Sie Filmzitate, liebe Leserinnen und Leser? Voilà. Diese Sätze spricht niemand Geringerer als das Monster, die Kreatur oder das Geschöpf aus der Neuverfilmung «Frankenstein». Nennen Sie es, wie Sie wollen. Nein. Halt. Bei dieser Adaption von Victor Frankensteins Erschaffung haben Sie eigentlich gar keine Wahl. Im Gegensatz zu den zahlreichen früheren Verfilmungen von Mary Shelleys Roman «Frankenstein» oder «Der moderne Prometheus» (1818) zeichnet sich das Monster unter Regisseur Guillermo del Toro durch Menschlichkeit und Verletzlichkeit aus. Wie ein verlassenes und verwundbares Kind ist es ständig auf der Suche nach Antworten, einer Familie und dem Sinn des Lebens. Seit den 1930er-Jahren mit Boris Karloff in der Rolle der Kreatur wird das Monster heute im Laufe der Jahrzehnte oft als Spiegel des Menschen gesehen. Vom tragischen Opfer wird es zur Bedrohung, zu einer Parodie und einem intelligenten Wesen bis hin zur philosophisch-metaphorischen Figur von heute. Von der klassischen Ikone wird es zur modernen Interpretation und verleiht dem Film gar eine poetische Note. Hand aufs Herz, liebe Leserinnen und Leser. Kann ein Geschöpf, das von Jacob Elordi verkörpert wird, tatsächlich wie ein Monster aussehen? Diese äusserst subjektive und persönliche Frage müssen Sie natürlich nicht beantworten. Also fragen wir objektiv: Ist das Monster wirklich zu menschlich?