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Aufhören oder weitermachen?

Nominiert für den Kritikerpreis «Spiel des Jahres 2025» und auf der Schachtel selbstbewusst als «Das beste Kartenspiel aller Zeiten» angepriesen – «Flip 7» weckt hohe Erwartungen. Aber hält das Spiel auch, was es verspricht?

Die Spielregeln sind ganz einfach. Reihum teilt der Kartengeber jeder Mitspielerin offen eine Karte aus, auch sich selbst. Ab der zweiten Runde steht man vor der Qual der Wahl: Aussteigen («Stopp») oder eine weitere Karte erhalten («Noch eine»)? Denn mehrere Szenarien können eintreten. Wird mir in der ersten Runde beispielsweise eine Zahlenkarte mit dem Wert 6 ausgeteilt, können in der zweiten Runde folgende Szenarien eintreten:

Szenario 1: Ich antworte mit «Noch eine». Der Kartengeber teilt mir eine Zahlenkarte mit dem Wert 12 aus. Ich kann aufatmen und weiterzocken.

Szenario 2: Ich traue mich nicht und steige mit «Stopp» aus der Runde aus. Ich nehme sechs Punkte aus dieser Runde mit.

Szenario 3: Ich antworte mit «Noch eine» und erhalte erneut eine Zahlenkarte mit dem Wert 6. Ich habe mich verzockt und scheide ohne Punkte aus dieser Runde aus.

Sobald alle Mitspielerinnen und Mitspieler (freiwillig) ausgeschieden sind oder jemand einen Flip 7 erzielt (dazu später mehr), endet die Runde. Die Punkte werden gezählt und aufgeschrieben. Nun beginnt die nächste Runde. Das Spiel endet, sobald eine Spielerin oder ein Spieler 200 Punkte erreicht hat und somit gewinnt.

Eine Besonderheit, welche das Spiel auflockert, sind die Sonderkarten. Es gibt drei unterschiedliche Aktionskarten sowie Bonuskarten, die Extrapunkte bringen (sofern man rechtzeitig aussteigt und Punkte aus der Runde mitnimmt). Bonuspunkte erhält auch, wem ein Flip 7 gelingt. Dazu müssen sieben Karten mit unterschiedlichem Zahlenwert erlangt werden. Während meiner Spielrunden erzielte niemand einen Flip 7. Darum finde ich die Belohnung mit 15 Extrapunkten vollkommen fair.

Und damit ist das Spiel schon erklärt. Ohne langes Studieren der Regeln kann direkt losgespielt werden: Karten mischen – und los gehts. Der Glücksfaktor von «Flip 7» ist extrem hoch. Als Spielerin habe ich kaum Einfluss auf das Geschehen. Lediglich mit den Aktionskarten kann ich meinen Mitspielenden ins Handwerk pfuschen. Mit der «Freeze»-Karte kann ich beispielsweise einen Mitspieler dazu zwingen, aus der Runde aussteigen zu müssen. Die «Second Chance»-Karte hingegen behalte ich lieber selbst: Ich darf mich einmal verzocken, ohne aus der Runde zu fliegen, indem ich die «Second Chance»-Karte gemeinsam mit der doppelten Zahlenkarte zur Seite lege. Wahre Zockerinnen und Zocker behalten auch die «Flip Three»-Karte für sich. Wird sie gespielt, werden drei Karten vom Kartenstapel aufgedeckt. Entweder erhält man doppelte Karten (und verzockt sich) oder gewinnt zusätzliche Punkte.

Christoph Ledig vom Blog «spieletest.at» schreibt über «Flip 7»: «(…) Ich finde auch das Spiel gut. Und zwar für Momente, in denen man nicht viel nachdenken will.» Dem stimme ich voll und ganz zu. Für ein paar gemütliche Runden mit vier und mehr Mitspielenden bietet das Spiel gute Unterhaltung. Es ist schnell erklärt und unkompliziert während des Spielverlaufs. Für mich ist es dennoch nicht «Das beste Kartenspiel aller Zeiten» – diesen Titel trägt für mich ein anderes Spiel …

«Flip 7»: für drei bis 18 Spielende, ab acht Jahren, Spieldauer circa 20 ​Minuten. Das Spiel kann im Fachhandel oder online gekauft und auch in der Stadtbibliothek Chur ausgeliehen werden.