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Celeste: «Woman of Faces»

Die Lieblingssängerinnen von Celeste Epiphany Waite, so heisst die 31-jährige Sängerin in voller Länger, seien Nina Simone oder auch Billie Holiday. Deren Lieder hätten sie durch ihre Kinder- und Jugendzeit begleitet, ist in einem Interview zu lesen. «Schuld» daran ist wohl Celestes Mutter, die von diesen beiden Soul- und Jazzsängerinnen sehr angetan war. Aber nicht nur die Songs ihrer Vorbilder habe sie ständig nachgeträllert, mit ihrer Mutter habe sie auch im Kirchenchor gesungen. Nach «Not Your Muse» 2021 ist im November ihr zweites «richtiges» Album erschienen. Es zeigt erneut, welches Gesangstalent die Amerika-Britin aus London ist. Schon im ersten Song, dem wunderschönen Walzer «On with the Show», beweist Celeste ihren breiten Stimmumfang – und weiss, wie man einen Song perfekt aufbaut und ihn auf die Spitze treibt. Dezente Streicher und feine Gitarren dominieren in «Keep Smiling», in «Woman of Faces» ergänzen Pianoklänge das Soundgebilde und der melodiöse Ohrwurm «Happening Again» animiert zum Mitbrummeln. Im nachdenklichen «Time Will Tell» dreht sie wacker an der Emotionsschraube und treibt damit gestandenen Moderatorinnen Tränen in die Augen (siehe ihren TV-Liveauftritt in «Inas Nacht» von unlängst). Besondere Phrasierungen und waghalsige Stimmsprünge auch in der Pianoballade «People Always Change», zart und einnehmend ihr «Sometimes». Ebenso das herzerwärmende «This Is Who I Am» – ein Song, der wie geschaffen ist für ein James-Bond-Film-Intro. Etwas aus der Rolle fällt «Could Be Machine». Die hämmernden Mittelteile nehmen jedoch Bezug zum Songtext mit der Frage, ob denn ­Menschen wie Maschinen funktionieren können. Ansonsten singt die Künstlerin ohne Gesangs­ausbildung über das Wegschauen, das «Menschen-Lesen», das Vergessen, über Verluste, unerfüllte Träume und natürlich über die Liebe. Celeste, die auch schon als Nachfolgerin von Aretha Franklin, Etta James oder Amy Winehouse bezeichnet wurde, macht Musik, die bestens zu kalten und dunklen Januar-Tagen passt.

Podcast-Tipp
Cindy Ziegler

«Rehmann S.O.S. – Sick of Silence»

Das Tabu brechen. Das wollen nicht nur wir mit «Die ‹Büwo› spricht darüber», sondern auch der leider eingestellte Podcast «Rehmann S.O.S – Sick of Silence». Zum Glück gibt es viele Folgen zum Nachhören. Um was geht? Host Robin Rehmann spricht ehrlich und ungefiltert mit seinen Protagonistinnen und Protagonisten. Er hat den Mut, Fragen zu stellen, und scheut die Antworten nicht. Er leidet selbst an der chronischen Darmerkrankung Colitis ulcerosa und kennt das laute Schweigen nur zu gut. Vor einigen Jahren hat er sich den Dickdarm entfernen lassen, um wieder mehr Lebensqualität zu gewinnen. Dazu gibt es übrigens einen sehenswerten Dokfilm. Warum sollte man sich «Sick of Silence» zu Gemüte führen? Erstens, weil man viel lernt über tabuisierte Erkrankungen und Lebensumstände, über die niemand spricht. Und zweitens, weil der Host weiss, was es heisst, wenn ein Tabuthema das eigene Leben prägt. Das macht die Episoden sehr zugänglich.

«Rehmann S.O.S. – Sick of Silence» gibt es überall zu hören, wo es Podcasts gibt. In der SRF-Mediathek sind die Episoden zudem als Videopodcast zu sehen.