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Ich bin Mattis, der Drachenflieger!

Bernhard Petschen nimmt Kinder und Jugendliche mit in den Bündner Wald

Was für ein herrliches Wetter! Heute ist der perfekte Tag, um meinen Drachen steigen zu lassen. Darauf freue ich mich schon soooo lange!

Jetzt, wo die ersten Sonnenstrahlen die Wiesen wachkitzeln und die Blumen vorsichtig ihre Köpfe aus der Erde strecken, kribbelt es in meinem Bauch. Aber nicht einfach so. Nein – das ist das Frühlings-Drachen-Kribbeln!

Der Himmel ist blau, mein Drache ist rot, blau und gelb

Schon früh am Morgen fahren Mama und Papa mit mir zu Oma und Opa. Mein bunter Drache liegt hinten im Auto und wartet darauf, geflogen zu werden. Fürs Drachensteigen braucht man nämlich eine richtig grosse Wiese, sagt Oma. Und so eine gibt es bei ihnen!

Überall zwitschern Vögel. Der Himmel ist riesig und blau. Mein Drache ist rot, blau und gelb – und hat einen langen Schwanz mit flatternden Bändern. Wenn der Wind ihn packt, sieht er aus wie ein fröhlicher Papiervogel,
der tanzt. «Opa», frage ich, «warum heissen diese Windflieger eigentlich Drachen?»

Opa kratzt sich am Kopf. «Hm … gute Frage.» Ich hoffe nur, das hat nichts mit Feuer speienden Ungeheuern aus China zu tun! Oder mit riesigen Dinosauriern aus Urzeiten. Mein Drache sieht nämlich überhaupt nicht gefährlich aus. Eher wie einer, der kichert.

Drachen fliegen zu lassen braucht viel Zeit und Nerven

Der Wind im Oberland ist allerdings ein kleiner Frechdachs. Mal bläst er kräftig – wuuuusch! Dann versteckt er sich wieder. Einfach weg! Ich hebe die Arme. Ich laufe ein paar Schritte. Nichts. «Na komm schon!», murmele ich. Und plötzlich – zack! – hebt sich der Drache von selbst in die Luft! Erst vorsichtig, als müsste er sich trauen. Dann mutig. Höher und höher! Die Schnur spannt sich, und ich spüre die Kraft des Windes in meinen Händen. Wow! Ich bin Mattis, der Drachenflieger!

Aber ich weiss auch: Man muss aufpassen. Stromleitungen sind keine Freunde von Drachen. Darum suchen wir immer einen freien Platz, weit weg von Strassen und Kabeln. Drachensteigen soll nämlich Spass machen – und sicher sein.

Nach einer Weile wird der Wind stärker. Er wird richtig bissig. Die Sonne versteckt sich hinter Wolken, und es wird kalt. Meine Nase fühlt sich schon ein bisschen eisig an.

Bevor wir alle einen Schnupfen bekommen, hole ich meinen Drachen wieder ein. Vorsichtig wickle ich die Schnur auf. Man muss gut zu seinem Drachen schauen. Er hat heute schliesslich Grosses geleistet!

Im Auto ist es warm. Meine Hände kribbeln immer noch – aber jetzt vor Glück.

Das war ein richtig schöner Vormittag. Und ich weiss: Wenn ich einmal Drachenflieger-Weltmeister werden will, muss ich noch viel üben. Zum Glück habe ich dafür noch ganz, ganz viel Zeit.