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Joe Jackson: «Hope and Fury»

Das Cover von Joe Jacksons neuer CD zeigt eine Fotomontage des brennenden Vergnügungsparks «South Parade Pier» in seiner Heimatstadt Portsmouth. Im schlenkernden «End of the Pier» – textlich zweigeteilt aus Sicht von 1922 und 2022 – singt der Pianist vom schwierigen Leben nach dem Ersten Weltkrieg in England und von den fragwürdigen gesellschaftlichen Entwicklungen unserer Zeit. Die brennende Seebrücke als Symbol des Wandels? Auch im rhythmisch-basslastigen und mit Sprechelementen gespickten «Welcome to Burning-by-Sea» schwankt er spöttisch zwischen den «Errungenschaften» unseres Lebens und der Einsicht, dass die guten Zeiten vorbei sind. Ein toller Song. Leicht hässig frotzelt er in «I’m Not Sorry» zu schweren Beats und afrokubanischen Rhythmen, dass er sich nicht für alles entschuldigen will, was er nicht gemacht habe. Ein melodiöser Popsong ist «Made God Laugh». Den lieben Gott zum Lachen bringen kann, wer ihm von seinen Plänen erzählt! Aber eine Gewissheit habe er: Wir alle würden Fehler machen. Ein flottes Nümmerchen im 1960/70er-Jahr-Touch mit frechem Farfisa-Sound heisst «Do Do Do» und erinnert … an was schon wieder? Im leichtfüssigen und treibenden «Fabulous People» mokiert er sich über Billy, der nichts kann, aber dennoch berühmt sein will. Versöhnliche Töne in «After All This Time». Eventuell sei es doch besser, sich zusammenzuraufen. Ein typischer Jackson-Song ist das jazzdurchtränkte «The Face» und handelt von mutlosen Menschen, die nur mitmachen, wenn zuerst andere handeln. Den Schluss des Reigens bildet die mit Latin-Beats unterlegte Ballade «See You in September», so etwas wie eine Blitz-Bilanz seines Lebens.

Der 72-jährige Brite und Arbeitersohn hat in den 1970er-Jahren Musik studiert, lebte viele Jahre in den USA und ist nach der Jahrtausendwende wieder nach England zurückgekehrt. Seine zahlreichen Veröffentlichungen zwischen Latin und Rock, Jazz und Pop oder New Wave und Punk waren nicht immer erfolgreich – aber stets interessante Experimente .

Podcast-Tipp
Cindy Ziegler

«Zivadiliring»

In der Schweizer Podcast-Welt kommt man fast nicht an ihnen vorbei: Yvonne Eisenring, Gülsha Adilji und Maja Zivadinovic. Gemeinsam machen sie «Zivadiliring» – oder machten. Vor Kurzem gaben die drei Frauen bekannt, das Projekt zu beenden. Zum Glück gibt es noch viele Folgen zum Nachhören. Und in diesen sprechen die drei über alles, was sie beschäftigt. Es geht um Beziehungen, Weltschmerz, Schönheitswahn und alles andere, was Frauen (und vielleicht auch Männer) umtreibt. Besonders bemerkenswert ist, dass man sich irgendwie mit allen drei identifizieren kann, wenn auch ihre Leben ganz verschieden aussehen. Yvonne Eisenring bereist als Autorin die Welt, Gülsha Adiljii pendelt zwischen Berlin und Zürich, von Job zu Job und von Date zu Date, und Maja Zivadinovic ist nicht nur Kolumnistin, sondern auch Mama eines Kindergartenkindes. Dass das, was die Frauen mit der Welt teilen, relevant ist, zeigt ihr Erfolg. Im letzten Jahr schafften sie es als erster Podcast und erster weiblicher Schweizer Act überhaupt, das Zürcher Hallenstadion auszuverkaufen.

Für alle, die gerne anderen beim Quatschen zuhören, und auch keine Scham kennen, auf allen gängigen Podcast-Plattformen verfügbar.