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Walserstolz

Über Kultur, lebendiges Brauchtum und neue Formen

Walserstolz

Über Kultur, lebendiges Brauchtum und neue Formen

Still und stur stehen sie da. Die hohen Berge, en gros grün und grau, nur vereinzelt sind noch letzte Schneefelder zu erkennen. Das Tal, das Prättigau, hat sich verändert. Genauso Klosters und seine Einwohnerinnen und Einwohner. Und dennoch. Es sind dieselben Berge, über die vor Hunderten von Jahren einst die Walser kamen und das Land besiedelten. Mit «willkomma bin ünsch» wird man hier noch immer begrüsst. Hübsch ist der Tag. Der Himmel blau, die Sonne hell. Hübsch ist es aber auch noch aus einem anderen Grund. Es ist Walsertag in Klosters. Und das gar länderübergreifend. Zum dritten Mal finden die internationalen Walserspiele statt. Eingerahmt sind die Anlässe von den 800-Jahre-Festlichkeiten der Gemeinde Klosters. Walserstolz und Weltkultur auf der Wiese «Christlisch». Weltkultur trifft es tatsächlich nicht schlecht. Derzeit läuft ein Projekt zur Aufnahme des Walser Kulturgutes ins Unesco-Weltkulturerbe.

Inmitten des Festplatzes steht die Feuerschale. Davor der Pokal, bestehend aus einem grossen Bergkristall. Ganz im olympischen Geiste brennt das Feuer, als im Hintergrund ein leiser Alarm die Spiele offiziell eröffnet. Sofort wird mitgefiebert und mitgelitten. Es wird «gmischlät», «ghürnät», «botschärrät»,«Schregzun gebuut» und «Reifä getriibä». Holz ist das dominierende Spielmaterial, die Tenues könnten jedoch unterschiedlicher nicht sein. Einheitliche Uni-Shirts. Farbenfrohe Sportbekleidung. Traditionelle Gewänder mit Hüten, Trachten und befellten Rucksäcken. Nur wer sich achtet, sieht aus dem ein oder anderen historischen Ranzen ein modernes Handydisplay aufblitzen. Eine wilde Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart, die Zukunft stets im Blick. Wir treffen Elisabeth Mani-Heldstab, langjährige Präsidentin der Walservereinigung Graubünden, die an diesem Morgen das Zepter an ihre Nachfolgerin Leonie Barandun-Alig übergeben hat. Von Davos geht der Stab weiter nach Obersaxen. Vom Prättigau in die Sprachinsel der Surselva. «Kultur und Traditionen schlagen wichtige Brücken. Vom Gestern ins Heute. Sie überwinden aber auch Grenzen und führen uns alle zusammen», erklärt sie. Christoph Luzi, Projektleiter 800 Jahre Klosters, nickt. «Das Walsertum ist ein wichtiger Teil unserer Geschichte und unserer Kultur», sagt der Klosterser.

 

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Während unten auf der Wiese Scheiter getroffen, Scheiben geschleudert, Steine geworfen, Zäune gebaut und Reifen gerollt werden, plätschert beim Heimatmuseum nur der Brunnen. Der alte Walserbau lädt zu einem Blick in die Vergangenheit ein. «Das ist schön», meint Elisabeth Mani-Heldstab. Und fügt dann gleich hinzu. «Aber nicht genug. Die Walserkultur will gelebt werden und soll weit mehr haben als nur einen archivarischen Charakter.» Die Jubelrufe einer Gruppe erklingen zwischen den Häusern. Gelebte Kultur, lebendiges Brauchtum. «Die Walser haben aus wenig viel gemacht. Sie haben die Architektur im Tal geprägt und auch, wie hochalpine Landwirtschaft betrieben wird», so Christoph Luzi. «Das alles soll im Bewusstsein bleiben.»

Die Sprache sei das Präsenteste, was von der Walserkultur geblieben sei. Ein höchst-allemannischer Dialekt, wo «uns» zu «ünsch und «sie» zu «schii» wird. Und wo noch heute «en hübschä Tag» gewünscht wird. «Die Sprache verbindet alle Walserinnen und Walser», erklärt Christoph Luzi. Das sogar über Orte, Talschaften und Kantons- und Ländergrenzen hinaus. Und so sind es auch Gruppen aus Triesenberg und dem Vorarlberg. Aus Davos und Churwalden, die sich noch immer bei den internationalen Spielen messen. «Am schönsten ist es doch, wenn neue Traditionen entstehen. Wenn sich Kultur wandelt, ohne, dass ihre Entstehung vergessen geht», meint Elisabeth Mani-Heldstab. «Die Walserkultur kann Vorbild sein für das, wie wir heute leben», fügt der Historiker an. Jetzt ist es die ehemalige Präsidentin der Walservereinigung, die zustimmend nickt. Sie sind sich einig. Und auch auf der Wiese ist man es sich zum Schluss der Spiele. Die Gruppe «Fiderisch» aus Fideris nimmt den steinernen Pokal entgegen. Im Sinne des olympischen Geistes und der Walserkultur wird brüderlich und schwesterlich gemeinsam darauf angestossen. Auf «en hübschä Abed» also. Nur die Berge stehen noch immer still und stur da.