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Nicht zu erklären

Nicht zu erklären

«Tichu kann man nicht erklären.» So steht es in der Anleitung dieses chinesischen Kartenspiels. Na ja, ich tu’s trotzdem. Warum? Weil Tichu mein absolutes Lieblingsspiel ist. Und das will ich niemandem vorenthalten.

Obwohl, wie Tichu gespielt wird, ist relativ leicht zu erklären. Es ist ein Stichspiel, das aus 56 Karten besteht (vier Farben von 2 bis Ass plus vier Spezialkarten). Die Spielenden spielen in Zweierteams gegeneinander und versuchen, als erstes Team 1000 Punkte zu erreichen. Punkte erzielt man, indem man gewisse Karten absticht (5er, 10er, Könige) oder ein angesagtes Tichu spielen kann. Wenn eine Spielerin oder ein Spieler ein Tichu ansagt, geht sie oder er davon aus, zuerst alle Karten loszuwerden. Gelingt das, erhält das Team 100 Punkte gutgeschrieben, wird das Tichu aber vom gegnerischen Team verhindert, verliert das Team mit dem verhinderten Sieg 100 Punkte. Ein Grosses Tichu muss vor der Aufnahme der neunten Handkarte ausgesprochen werden. Gelingt es, werden 200 Punkte gutgeschrieben, scheitert es, werden ebendiese vom Punktestand abgezogen.

Ausgespielt werden können verschiedene Kombinationen, die dann auch nur von höheren Kombinationen der gleichen Art geschlagen werden können. Neben Einzelkarten dürfen auch Paare, Folgepaare, Drillinge, Full Houses und Strassen ausgespielt werden. Und dann gibt es ja noch die Spezialkarten (Drache, Phönix, Majong, Hund) – und die Bomben. Ja, Bomben. Das sind vier Karten mit demselben Wert oder Strassen in der gleichen Farbe.

Wichtig beim Tichu ist das Zusammenspiel im Team. Vor einer Runde müssen alle Spielenden je eine ihrer Handkarten an die Mitspielerinnen und Mitspieler verschupfen – sowohl an Konkurrentinnen und Konkurrenten wie auch an die Partnerin oder den Partner. Auch im Team ist es nicht erlaubt, über Karten oder Spielzüge zu kommunizieren, die nicht allen Spielenden bekannt sind.

Und warum ist Tichu nicht zu erklären? Hat doch jetzt ganz gut geklappt? Das denken Sie sich jetzt vielleicht. Wie gesagt, das Spielprinzip ist nicht sehr schwierig zu verstehen. Für Aussenstehende nicht nachvollziehbar ist eher das Spielfieber, das eine Partie Tichu auslöst. Nicht nur in China, sondern auf der ganzen Welt. Es gibt Tichu-Meisterschaften, Turniere, Gruppen. Tichu macht süchtig. Und genau das ist irgendwie nicht zu erklären.

Tichu: für vier Spielende, ab zehn Jahren, Spieldauer für eine Partie zirka 90 Minuten. Das Spiel kann im Fachhandel oder online gekauft und auch in der Stadtbibliothek Chur ausgeliehen werden