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 Lyle Lovett: «12th of June»

 Lyle Lovett: «12th of June»

Er ist Lyle Lovett, hatte schon mehrere hervorragende Alben veröffentlicht, als er 1993 plötzlich einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde – weniger jedoch seiner Musik wegen. Vielmehr war es die Heirat mit «pretty woman» Julia Roberts, die ihn in die Klatschspalten brachte. Böswillige Kommentatorinnen und Kommentatoren mutmassten, was denn die Superfrau am texanischen Wuschelkopf und «durchschnittlichen» Countrysänger so toll finde. Eventuell ja seine Musik.

Zehn Jahre nach dem letzten Wurf «Release me», präsentiert Lovett nun mit «12th of June» ein neues Meisterwerk, eingespielt wiederum mit den hervorragenden Musikern seiner Large Band. Gleich vorweg: Die Bezeichnung «Countrysänger» für den Mann aus Houston greift viel zu kurz. Was Lovett bietet, ist vielmehr eine Reise durch die amerikanische Musikgeschichte. Ob Jazz, Swing, Gospel, Blues, Folk, Soul oder auch Funk, er hat die ganze Palette an Stilen im Griff und macht aus ihren Eigenheiten ein frisches und zeitlos arrangiertes Musikerlebnis.

Auf der Tour durch die Jahrzehnte dabei ist der rassige Instrumental «Cookin‘ at the continental» von Horace Silver, das swingende «Straighten up and fly right» von Nat King Cole (wo sich unter anderem Lovetts Lieblingssängerin Francine Reed austoben kann) oder die Fingerschnipps-Nummer «Peel me a grape» von David Frishberg.

Neben den Referenzen an Vorbildern entzückt Lovett mit leidenschaftlichen eigenen Nummern. Wenn es coole Funkkompositionen sein sollen, höre man sich «Pants is overrated» oder «Pig meat man» an. Wer es eher mit schwärmerischen Balladen hat, nehme zwei, drei Ohren voll von «Her loving man», vom Titelsong «12th of june» oder von «The mocking ones». Den Abschluss des Reigens macht das shufflige «On a winter’s morning». Wo immer man hinhört, es schwellt die Hammondorgel, es posaunen Hörner, es federt das Piano, Gitarren twangen und Geigen schmachten – und gefallen die Gesangspassagen. Das Album soll übrigens vom Geburtstag seiner Zwillinge Will und Ella am 12. Juni 2017 inspiriert worden sein.