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Mond1

Am Nachthimmel

Demonstrator Arthur Clement von der Astronomischen Gesellschaft Graubünden erzählt in der Sternwarte Mirasteilas über die bevorstehende totale Mondfinsternis und die Faszination Weltall

Am Nachthimmel

Demonstrator Arthur Clement von der Astronomischen Gesellschaft Graubünden erzählt in der Sternwarte Mirasteilas über die bevorstehende totale Mondfinsternis und die Faszination Weltall

Dicke, schwere Regentropfen fallen vom Himmel. In der Sternwarte Mirasteilas in Falera ist es trocken. Zum guten Glück hat Arthur Clement das Dach zugelassen. Inmitten von grossen und kleinen Teleskopen steht der Demonstrator von der Astronomischen Gesellschaft Graubünden. Im Un-Ruhestand, wie er dem Leben als Pensionär sagt, hat er nun Zeit, sich seiner Leidenschaft, dem Weltall, zu widmen. Das tue er nun oft, sagt er und grinst. Bald, nämlich in den frühen Morgenstunden des 16. Mai, wird er wohl wieder in der Sternwarte anzutreffen sein. Dann aber hoffentlich bei klarem Himmel und offenem Dach. Mit Blick auf die totale Mondfinsternis, viele Sterne und einige Planeten.

Eine halbe Stunde zuvor sitzen wir im Schulungsraum der Sternwarte. Arthur Clement ist gut vorbereitet und hält eine kleine Präsentation bereit. Die Rollläden sind heruntergelassen, die Leinwand leuchtet hell. Die Zeit reicht nur für wenig Himmelskunde. Für das Wichtigste, was wir zur bevorstehenden Mondfinsternis wissen müssen. «Ein bisschen Himmelsmechanik brauchen wir schon», meint er mit einem Augenzwinkern und beginnt. «Die Erde dreht sich einmal am Tag um die eigene Achse und im Jahr einmal um die Sonne. Der Mond wandert in rund 27 Tagen und 7 Stunden um die Erde.» So weit, so klar.

Für eine totale Mondfinsternis brauche es eine ganz besondere Konstellation. Und zwar müssen Sonne, Erde und Mond genau auf derselben Linie stehen. Wenn die Erde vor dem Mond steht, kommt es zu einer Mondfinsternis, weil der Erdschatten dann den Mond verdunkelt. Und zu einer Sonnenfinsternis kommt es dann, wenn der Mond vor der Erde steht und damit die Sicht auf die Sonne verdeckt. So weit die Theorie. «Zu einer Mondfinsternis kommt es bei uns wohl alle zwei bis drei Jahre», schätzt Arthur Clement. Zu einer Sonnenfinsternis käme es deutlich häufiger, jedoch sei diese weniger gut zu sehen, weil sie vom Standort abhängig sei, von wo sie sichtbar ist.

Mondfinsternis

Zu einer Mondfinsternis kommt es, wenn Sonne, Erde und Mond genau in einer Linie stehen. Die Erde wird von der Sonne beleuchtet und wirft einen Schatten auf den Mond. Bei einer totalen Mondfinsternis wandert der Mond ganz in den Erdschatten, bei einer partiellen nur teilweise.

«Spannenderweise gab es genau vor 19 Jahren, am 16. Mai 2003, ebenfalls eine Mondfinsternis. Diese fand aber rund 20 Minuten früher statt», weiss Arthur Clement, auch wenn er sich nicht mehr genau an die damalige Mondfinsternis erinnert. Die symbolischen Sterne standen 2003 deutlich besser als heute. Der Mond tritt am 16. Mai dieses Jahres um 4.30 Uhr erstmals in den Erdschatten. Zur totalen Mondfinsternis kommt es um 5.30 Uhr. Der Mond geht jedoch schon um 5.49 Uhr unter, die Sonne um 5.47 Uhr auf. «Es ist dennoch ein schönes Ereignis, auch wenn die Sichtbedingungen besser sein könnten», meint der Demonstrator. Er selbst werde wohl in der Sternwarte zu finden sein – sofern die Sicht gut ist. «Aber weniger wegen des Monds, sondern wegen der Planeten, die man derzeit nur in den frühen Morgenstunden zu Gesicht bekommt.» Zwei Fliegen mit einer Klappe also. Klingt gut. Irgendwelche Tipps?

«Vieles am Nachthimmel ist auch mit blossem Auge sichtbar», animiert Arthur Clement. Er empfiehlt, einen dunklen Ort ohne Lichtverschmutzung aufzusuchen und sich mit einer Sterne-App wie «Sky Safari» oder einer physischen Sternkarte auszurüsten. «Man kann sich dann zum Beispiel fragen, wo der Planetenlauf ist. Man kann Sternbilder suchen oder besonders helle Sterne bestimmen. Das macht schon sehr viel Spass.» In einem nächsten Schritt könne man zum Feldstecher greifen. «Oder dann in die Sternwarte kommen», meint er und zeigt um sich. 

Die Leidenschaft von Arthur Clement steckt an. Er spricht von Sternenbildern wie von Kunst und von Planeten wie von guten Freunden. Und auch wenn der Regen an diesem Mittag noch immer auf das Dach der Sternwarte prasselt, hat man den klaren Nachthimmel vor dem geistigen Auge.

Die Sternwarte Mirasteilas in Falera bietet bei gutem Wetter jeden Freitag und Samstag öffentliche Führungen an. Eine Anmeldung über Tourismus Flims, Laax, Falera ist zwingend notwendig. Weitere Infos sind unter www.sternwarte-mirasteilas.ch zu finden.