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Alpliebe

Ein Einblick in den Sommer von Älplerin Flavia Mark

Alpliebe

Ein Einblick in den Sommer von Älplerin Flavia Mark

Ein kühler Dienstagmorgen. Später wird es bestimmt wieder heiss werden. 6.15 Uhr, noch zu früh für den Termin, also warten wir und lauschen der morgendlichen Stille. Schon bald wird diese aber von einem lauten Motor gestört. Tatsächlich ist es unsere Verabredung, Flavia Mark, die uns mit einem Quad abholen kommt. Die Bündnerin aus Zillis verbringt bereits ihren zweiten Sommer auf einer Alp. In diesem Jahr auf der Alp Pradamee in Liechtenstein. Also ab auf das Quad uns los gehts in Richtung Alp.

«Unser Tag startet jeweils um vier Uhr morgens. Heute haben wir bereits die Kühe von der Nachtweide geholt und in den Stall gebracht. Dort wurden dann alle gemolken. Nach dem Frühstück werden sie dann wieder auf die Weide gebracht», erklärt Flavia Mark mit lauter Stimme um den Motor des Gefährts zu übertönen. Über die steinige Strasse durch die kühle Luft, an den Eseln vorbei und schon ist der Stall in Sicht.

Wir kommen auf der Alp Pradamee in Malbun an. Hier werden 11 Esel, 30 Mutterkühe, 50 Jungtiere, 84 Milchkühe, 50 Schweine, 7 Hennen und ein Hund versorgt. Während wir über den Hof gehen, entdecken wir zwischen Schweine-, Hühner und Kuhstall überall wieder Menschen bei der Arbeit. Im Haus angekommen, decken wir gemeinsam mit Flavia Mark den Frühstückstisch, während nach und nach die Leute aus dem fünfköpfigen Team eintrudeln. Bei Brot, Müsli, Butter und Konfitüre wird der Tagesablauf geplant. Es steht einiges an. Die Kühe müssen auf die Weide gebracht, das Holz gespalten und in der Käserei Alpkäse, Sauerkäse und Butter hergestellt werden. Nebenbei muss noch der Hofladen und das «Beizli» bedient werden. Die Aufgaben sind schnell verteilt. So verschlägt es uns gemeinsam mit Flavia Mark und ihrer Teamkollegin, der Sennin, in «d`Käsi», wie sie die Käserei nennen. Die beiden Älplerinnen ziehen sich weisse Gummistiefel und eine Gummischürze in der gleichen Farbe an. Als wir die Käserei schliesslich betreten, spürt man deutlich die Wärme, die der grosse Käsekessel in der Mitte des Raums ausstrahlt. Er ist bereits gefüllt mit Milch vom Vortag und von diesem Morgen. «Die Milch wurde mit den entsprechenden Bakterienkulturen für die gewünschte Käsesorte versehen und muss nun stets gewärmt werden, damit die Bakterien arbeiten können», begründet die Bündnerin das tropische Klima auf rund 1700 Metern über Meer.

Zu zweit wird nun fleissig an den Tageszielen gearbeitet. Nebst Käse und Butter wird auf der Alp auch Joghurt hergestellt. Dafür ist aber der Mittwoch da. «Unser Joghurttag». Als erstes wird nun der Alpkäse fertiggestellt, der bereits im Käsekessel gerührt wird. Es riecht nach Molke. Ein warmer, süsslicher Duft. Für den ersten Schritt wird ein grosses Netz auf einen ovalen Rahmen gespannt. Damit kann man in einem zweiten Schritt den Käse aus der übrigen Flüssigkeit heben und in eine Abtropfwanne füllen. Danach werden noch Gewichte auf die Masse gelegt um den Abtropfprozess zu beschleunigen. Die weissliche Flüssigkeit plätschert auf den Boden. Nun geht es an den Abwasch. «Alles was mit dem Käse in Berührung gekommen ist, muss gründlich gereinigt werden, wegen den verschiedenen Bakterien, die eingesetzt werden», erklärt uns Flavia Mark, die gerade sorgfältig die verschiedenen Instrumente abschrubbt.

In der «Käsi» wird stets zügig und vorausschauend gearbeitet. Jemand räumt auf, die andere bereitet den nächsten Schritt vor. Man merkt schnell, dass hier ein eingespieltes Team am Werk ist. Dass man sich aufeinander verlassen könne, sei sowieso das Allerwichtigste, um den Alltag auf der Alp zu stemmen. Aber Flavia Mark weiss, da gehört noch etwas viel Wichtigeres dazu: «Man muss einfach mit dem Herzen dabei sein und das alles hier lieben und leben. Klar, es ist streng. Wir arbeiten viel und hart und trotzdem fühlen wir uns dabei einfach nur frei.» Die gelernte Drogistin ist auf einem Bauernhof und somit mit der Liebe zur Landwirtschaft aufgewachsen. Ihren Traum, einen Sommer auf der Alp zu verbringen, hat sie sich bereits im vergangenen Jahr erfüllt und hätte selbst nicht gedacht, dass sich schon so bald nochmals die Möglichkeit ergibt. Viele trauten es ihr nicht zu, dass sie einen Sommer auf der Alp aushalten, geschweige denn, sich noch ein zweites Mal darauf einlassen würde. Genau das trieb sie an, es erst recht zu schaffen. «Wenn ich daran denke, dass wir Mitte September wieder in den gewohnten Alltag zurückkehren müssen, macht mich das wahnsinnig traurig», verdeutlicht die Zilliserin ihre Liebe zum Alpleben.

Das Plätschern aus dem Abtropfbecken ist verstummt. Der nächste Schritt steht an. Die Käsemasse hat sich verfestigt, sodass sie sich nun schneiden lässt. Dreizehn Laib Käse wird es geben. Aus den eckigen Klumpen sollen runde werden. Dafür werden sie in runde Käseformen gepresst. Auch hier zum Schluss wieder ein Gewicht auf den Deckel. Dasselbe Prozedere nun noch mit dem Sauerkäse. Eine lokale Spezialität.

Das Tagesziel der Käseproduktion ist nun erreicht. Alles abgewaschen, alles geputzt. Doch noch lange nicht fertig. Im Nebenraum hat sich in der Zwischenzeit das Butterfass fleissig gedreht und gedreht, sodass es nun Zeit ist, die Butter zu formen und in Butterpapier zu wickeln. Hier packen wir mit an und circa 100 Stück später sind wir fertig. Nun steht die wohlverdiente Mittagspause an. Die Stimmung am Mittagstisch ist ausgelassen. Es wird viel erzählt und gelacht. Bekocht wir die Truppe jeweils von einer Teamkollegin.

Nach dem Mittag wird nochmals ordentlich geputzt in der Käserei. «So und jetzt müssen wir noch ein wenig an die frische Luft», bestimmt Flavia Mark. Das weisse Gewand und die Gummistiefel für die Käserei werden abgelegt und gegen Arbeitshose und Bergschuhe getauscht. Aushelfen beim Holzspalten ist angesagt. So ist an jedem Tag für eine Menge Abwechslung gesorgt. «Wenn ich etwas gelernt habe auf der Alp, dann ist es, dass kein Tag dem anderen gleicht. Es kann immer etwas schief gehen, beispielsweise, wenn die Sennin nach Ankunft der Milchkühe das Handtuch schmeisst, wie es uns dieses Jahr passiert ist. Im Gegenteil kann es aber auch wieder besonders gut laufen. Der Erfolg unserer Arbeit ist abhängig vom Vieh und vom Wetter. Beides können wir nicht beeinflussen, deshalb nehmen wir jeden Tag als Überraschung», teilt die Älplerin ihre Erfahrungen mit uns.

Bevor es für Flavia Mark ans Holzspalten geht, heisst es für uns, uns wieder hinter sie aufs Quad schwingen, den steinigen Weg an den Eseln vorbei und hinunter ins Dorf. Während für uns ein abenteuerreicher Tag zu Ende geht, gibt es für die Älplerin und ihr Team noch eine Menge zu erledigen, bevor die Dunkelheit den Feierabend auf der Alp Pradamee einleitet.

Tipp zur Begegnung mit Alptieren

Bei der Begegnung mit Tieren auf der Alp ist es besonders wichtig, Abstand zu halten. Zudem sollte man sich ruhig verhalten und keine hastigen Bewegungen machen. Auch Selfies sind keine gute Idee.
Der Tipp von Flavia Mark lautet also: Keine Angst haben vor den Tieren, aber trotzdem einen Bogen um sie machen und keine Aufmerksamkeit erregen.